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Der Meister und Margarita

Michail Bulgakows Kultbuch

In der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft ist es gute Tradition, neben dem Namensgeber auch immer wieder andere bekannte russische Autoren einer breiteren Leserschaft näherzubringen. So sind Mitglieder des Vorstands Anfang Mai 2026 an einer Akademietagung in Bensberg bei Köln beteiligt. Im Zentrum steht „Der Meister und Margarita“ – jenes in den Schreckensjahren der Stalin-Herrschaft geschriebene Opus maximum des Prosaschriftstellers und Dramatikers Michail Bulgakow (1891-1940), das als eines der wichtigsten Werke der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts gilt. In dem kunstvollen Prosatext, in dem sich unterschiedliche Genres wie Künstler-, Faust- und Jesusroman mit den Schreibkonventionen diverser Epochen von der Romantik bis zu den 1930er Jahren verbinden, greift in bewährter Bulgakowscher Manier ein fantastisches Fatum in die realsozialistische Welt der Stalinzeit ein. Der Autor erweist sich in „Meister und Margarita“ einmal mehr als großer Humorist, der sich subtil und voller hintergründiger Komik über bürokratische Auswüchse und die allgemeine Tendenz zu geistiger Nivellierung im Gefolge der neuen politischen Verhältnisse lustig macht. Bei den sowjetischen Machthabern stieß diese Haltung natürlich auf wenig Verständnis, wobei Stalin selbst Bulgakow wohl bewusst vor einer Verhaftung, Deportation oder Schlimmerem bewahrte. Gleichwohl konnte der Roman in der Sowjetunion erst mehr als 25 Jahre nach Bulgakows Tod erstmals erscheinen (1966/67) – und auch das nur in einer von der Zensur verunstalteten Form.

Was verbindet Bulgakow mit Dostojewskij? Was entfernt ihn allerdings auch von ihm? Als gemeinsames Erbe ist zunächst an die Literatur der Romantik zu denken – gerade auch an den deutschen Fantasten und romantischen Erzironiker E.T.A. Hoffmann. Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Opus maximum „Faust“ ist ein weiterer Bezugspunkt für Dostojewskij wie für Bulgakow: Beide arbeiteten sich produktiv an den Figuren Faust, Gretchen und Mephisto ab. Auch die Affinität zum orthodoxen Glauben, so scheint es zunächst, verbindet den Ärztesohn und literarischen Laientheologen Dostojewskij mit dem Theologensohn und schriftstellernden Arzt Bulgakow. Doch hier enden bereits die Gemeinsamkeiten. Dostojewskij nämlich bietet dem Leser die Herrschaft des Teuflischen lediglich vorübergehend als Entwicklungsimpuls hin zum Guten an – etwa in der „Sanften“, wo sich der Pfandleiher mit seiner Bildung kokettierend als ‚Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft‘ stilisiert. Die erklärte Abwendung von Gott erscheint bei ihm jedoch wiederholt als tödliche Gefahr für Individuum und Gesellschaft. In Bulgakows letztem Roman hingegen scheint am Ende der Teufel der Einzige zu sein, der dem unabhängigen Geist und schöpferischen Künstler – dem ‚Meister‘, zusammen mit seiner Geliebten Margarita – freies Geleit aus einem sowjetbürokratischen ‚Absurdistan‘ und einer um sich greifenden Diktatur der Fantasielosigkeit zusichern kann. Doch es gibt noch einen ‚doppelten Boden‘…

Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Bensberger Tagung wird ein breites Panorama an Zugängen zu Bulgakows Hauptwerk geboten. Biographisches aus dem Leben des in Kyiw / Kiew geborenen Autors wird von Prof. Dr. Christoph Garstka (Bochum) mit Zeitgeschichtlichem verbunden, wobei aktuelle Deutungskonflikte im Gefolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht ausgeblendet werden. Es geht weiterhin darum, die Besonderheiten der bulgakowschen Sprache auch in der deutschen Übersetzung zu erfassen. Wer könnte hierzu besser anleiten als Dr. Alexandra Berlina (Düsseldorf), aus deren Feder (respektive Tastatur) eine 2020 erschienene Neuübersetzung von „Der Meister und Margarita“ stammt. Weitere Ein- und Ausblicke in bzw. auf das Werk liefert eine kürzlich in Russland produzierte Verfilmung (2024, Regie: Michail Lokschin), zu der am Samstagabend eine Diskussion geplant ist. Am Sonntag lädt Prof. Dr. Daniel Schümann (Köln) auf eine Exkursion mit topo- und theologischen Schlaglichtern auf Bulgakows Doppelroman ein, der einerseits im Moskau der 1930er Jahre spielt und andererseits im Jerusalem („Jerschalaim“) der Zeit vor und während der Kreuzigung Christi. Zum Abschluss gibt es noch einen weiteren Vortrag von Prof. Dr. Christoph Garstka mit dem Titel „Teufelsgestalten in der russischen Literatur“. 

Termin:
9. - 10. Mai 2026, Thomas-Morus-Akademie, Bensberg

Weitere Informationen und Anmeldung:
www.tma-bensberg.de